Jesus antwortete: Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien. Was Jesus mit diesem Satz, dem Spruch für diesen Monat, sagen will, erschließt sich uns erst, wenn wir uns vor Augen führen, in welchem Zusammenhang Jesus ihn gesagt hat.
Jesus ist mit seinen Jüngern auf dem Weg nach Jerusalem, um am Passafest teilzunehmen. In einem Dorf vor der Stadt lässt er sich einen Esel besorgen, um auf ihm in die Stadt einzuziehen. Ihm werden Kleider auf dem Weg ausgebreitet. Und er wird von Teilnehmern des Festzuges gepriesen. Das berichten alle Evangelien. Doch sie akzentuieren etwas unterschiedlich, je nachdem, worauf sie in der Erzählung ihr besonderes Gewicht legen wollten.
Der Evangelist Lukas nahm in diesem Zusammenhang eine Überlieferung auf, die die anderen Evangelisten nicht kannten oder von ihnen ausgelassen wurde (Verse 41 -44). Es ist die Überlieferung darüber, dass Jesus über die Stadt Jerusalem weinte und zugleich ihre Zerstörung ankündigte, weil die Bewohner nicht erkannt hatten, wer an diesem Tag seines Einzuges wirklich zu ihnen gekommen war: Gott, der sein Volk gnadenhaft heimsucht und, wie die Engel bei der Geburt seines Sohnes es verkündeten, Frieden und Heil mit sich bringt. Deshalb wird Gott nach lukanischer Erzählung bei Jesu Einzug nun nur von den Jüngern Jesu gelobt und gepriesen (Vers 37), nicht aber vom ganzen Volk, wie es die übrigen Evangelisten erzählen. Das Volk in Jerusalem nimmt also in seiner Erzählung keine Kenntnis vom Einzug Jesu, dem Heils- und Friedensbringer. Deswegen wird im Übrigen der Untergang der Stadt durch einen Krieg als Folge davon angekündigt.
Doch nun zurück zur Erzählung über Jesu Einzug: Da nach Lukas aus eben genanntem Grund nur die Jünger Jesu Gott loben und preisen, weitet er hier seine Erzählung nun weiter aus mit der Bitte eines anwesenden Pharisäers an Jesus, seine Jünger doch auch zum Schweigen aufzufordern. Es gibt wohl auch ihrer Meinung nach offensichtlich keinen Grund für den Jubel der Jünger. Darauf antwortet Jesus: Ich sage euch: Wenn diese (also seine Jünger, seine Anhänger) schweigen werden, so werden die Steine schreien. Jesus will damit sagen: Es wird unmöglich sein zu verschweigen, dass Gott mit mir zum Heil und zum Frieden der Menschen gekommen ist. Eher werden es Steine herausschreien.

Adressbücher sind eine feine Sache – ob als kleines Heft oder heutzutage auch in digitaler Form. In ihm stehen Namen, Geburtstage, Adressen. Fast jeder von uns hat so eines. Darin halten wir Namen und Angaben fest von Verwandten, Freunden, Bekannten usw., von Menschen also, die uns wichtig sind, die wir nicht aus dem Auge verlieren wollen.

Oft jedoch korrigieren wir darin Adressen oder streichen auch welche durch, weil die Menschen weggezogen oder auch verstorben sind oder sie uns - aus welchen Gründen auch immer - unwichtig geworden sind und wir nichts mehr miteinander zu tun haben. Neue Adressen kommen natürlich hin und wieder auch hinzu.

Wenn wir unser Adressbuch einmal aufmerksam durchgehen, so kann es uns viel erzählen von Freude und Traurigkeit, von Beziehungen zueinander, von Schuld und Verständnis zwischen Menschen. Es erzählt etwas von unserer je eigenen Geschichte, auch, was gut und was schiefgelaufen ist in unserem Leben.

Jesus hat einmal zu seinen Freunden, seinen Jüngern gesagt: Freut euch, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind (Lk 10,20). Wie in einem Bürgerverzeichnis beim Einwohnermeldeamt sind ihre Namen im himmlischen Buch, also bei Gott festgehalten. Sie gehören damit zu ihm. Im Gegensatz jedoch zu uns streicht er darin keinen Namen durch, lässt sie also niemals fallen. Denn bei ihm gibt es keine hoffnungslosen Fälle und wird auch niemand abgeschrieben.

Fast täglich sehen wir im Fernsehen, dass Millionen von Menschen, darunter viele Kinder, am Verhungern und Verdursten sind, keinen ausreichenden Schutz vor Krankheiten und Naturkatastrophen haben und im Elend leben müssen.
Gott sei Dank gibt es viele Menschen, ob Christen oder nicht, die aus Barmherzigkeit und Liebe zu ihnen etwas dagegen tun, z.B. indem sie für sie spenden. Sie solidarisieren sich mit ihnen und handeln so, wie es dem Willen Gottes entspricht: Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut! (Jes 58,7 – Monatsspruch).
Gott sei Dank, dass gerade in der Advents- und Weihnachtszeit besonders viele ihr Herz für die Bedürftigen hier bei uns und in der Welt öffnen, um ihnen nicht nur ein Überleben, sondern auch ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen.

Die Adventszeit ist im Kirchenjahreskalender eine Fastenzeit. In den Kirchen werden deshalb violette Antependien aufgelegt. Das Gloria in der Liturgie verstummt vom 2. bis 4. Advent. Flügelaltäre werden in der Regel geschlossen. Und manche kennen es noch aus Kindheitstagen: Da wurde tatsächlich noch gefastet. Heute ist diese Bedeutung den Menschen kaum noch bekannt. Und nur noch ganz wenige fasten in dieser Zeit.

Der Monatsspruch passt deshalb gut in die Adventszeit. Denn mit diesen Worten sagt Gott, was wir unter einem „richtigen“ Fasten verstehen sollen. Es geht also nicht um das Enthalten beim Essen und Trinken, beim Genießen oder bei allem, was uns lieb und wert ist; auch nicht um eine wie auch immer geartete „richtige“ religiöse Praxis. Wer von Gott her und zu ihm hin lebt, kann und wird von sich selbst wegsehen und sich der Not des Nächsten annehmen. So sieht richtiges Fasten aus.
Gott selbst sieht an der Not von uns Menschen auch nicht vorbei. Sondern er kam sogar in unsere Welt – in diesem Kind von Bethlehem. Er nahm sich unserer Not, unserem Elend und unserer Verlorenheit an mit dem Gang bis in den Tod am Kreuz, weshalb wir fröhlich wie im Lied „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“ singen können: „Er ist gerecht, ein Helfer wert; Sanftmütigkeit ist sein Gefährt, sein Königskron ist Heiligkeit, sein Zepter ist Barmherzigkeit; all unsere Not zum End er bringt, derhalben jauchzt, mit Freuden singt: Gelobet sei mein Gott, mein Heiland groß von Tat.“ Auch wir sollen in Barmherzigkeit und Liebe unseren Mitmenschen begegnen. Deshalb: Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut!

Viele sagen: "Wer wird uns Gutes sehen lassen?" HERR, lass leuchten über uns das Licht deines Antlitzes! (Monatsspruch)

Der Psalmbeter lebt mit vielen anderen in wohl schwierigen Zeiten. Was es ist, das sie so klagen lässt, wissen wir nicht. Jedenfalls ist es wohl nichts Gutes und erschwert ihr Leben.
Unwillkürlich denke ich an unsere jetzige Situation, hervorgerufen durch die Covid-19-Pandemie. Sie hat das Leben großer Teile der Weltbevölkerung kräftig durcheinander geschüttelt. Ende des Jahres 2020 sind fast 79 Million Menschen am Virus erkrankt. Und etwa 1.750.000 haben die Krankheit nicht überlebt. Unsägliches Leiden der Betroffenen– große Trauer bei den Angehörigen der Verstorbenen. Nicht zu zählen sind die Vielen, die durch die verordneten Einschränkungen in große persönliche und existenzielle Notlagen geraten sind. Oder auch die, die ihren Alltag und den ihrer Familie komplett umstellen müssen und jene, die in Schulen sowie anderen Bildungseinrichtungen und in der Kultur jeden Tag neu improvisieren müssen, immer mit der Angst, von einem Tag auf den anderen schließen zu müssen, selbst angesteckt zu werden oder andere anzustecken.
Ich höre viele Menschen so oder so ähnlich klagen: Das Jahr 2020, es ist ein schlimmes Jahr, das man ganz schnell vergessen sollte.
Ja, es war ein schlimmes Jahr, in dem den meisten von uns viel abverlangt und zugemutet wurde. Und dass wir nun unsere Hoffnung auf einen hochwirksamen Impfstoff setzen, ist nur zu verständlich. Denn die Zahlen der Neuinfizierten, Schwerstkranken und Verstorbenen steigen besorgniserregend weiter. Jeder aber will schließlich wieder ein halbwegs normales Leben führen.

Nahezu tagtäglich erfahren wir beides – Freudiges und Trauriges. Manche belastet das Traurige in ihrem Leben oft schwer. Sie rutschen in eine Krise und fühlen sich dann gelegentlich wie auf einer Achterbahn – mal himmelhoch jauchzend und dann zu Tode betrübt. So ist es in unserem Leben. Schlimm aber für den, der aus seiner Traurigkeit nicht wieder herausfindet. Der keine Hoffnung mehr hat, keinen Sinn mehr im Leben erkennt und in eine tiefe Depression und Traurigkeit fällt und sich wünscht, dass es endlich ein Ende hat – fast schon egal, welches.

In dieser Zeit, in der Corona in das Leben vieler Menschen tiefe Einschnitte brachte und nun wieder bringt, geraten weit mehr Menschen als sonst in solche Lebenskrisen. Vorbei die Unbeschwertheit und Lebensfreude. Stattdessen Angst davor, dass es nie wieder so wird wie vorher. „Ich merke, dass mir nach und nach Wichtiges, was meinem Leben bisher Sinn gab, verloren geht“, sagte neulich jemand.

Ortswechsel: Gesamt-Israel vor etwa 2.600 Jahren. Der Prophet Jeremia verkündete dort Gottes Wort. Er verkündet Unheil im Südreich Juda, weil viele Israeliten ihrem Gott treulos wurden, den Ruf zur Umkehr nicht befolgten und somit einen Weg wählten, der in ihren Untergang führt. Aber er verkündet auch Heil. Heil allen, die mehr als 100 Jahren davor im Nordreich, genannt Israel, gelebt haben, dann aber von den Assyrern in ausländische Provinzen verschleppt wurden. Und Heil den Israeliten, die ihr Land, ihre Heimat Juda ebenfalls verlieren werden. Für sie alle bestehen die verheißenen Heilsgüter darin, dass es Gerechtigkeit und Frieden geben werde und solche Lebensverhältnisse, die dann sogar über dem liegen, was von ihnen überhaupt realisierbar ist.

Eine dieser Heilsankündigung sind die Worte im Spruch für diesen Monat: Gott spricht: Sie werden weinend kommen, aber ich will sie trösten und leiten (Jer 31,9). In den Versen davor kündigt der Prophet die Heimkunft derer an, die aus dem Nordreich vertrieben wurden und zugleich derer im Südreich, die ein ähnliches Schicksal erfahren werden. Mit Tränen in den Augen dürfen sie wieder zurück in ihre Heimat. Gott wird sie aus lauter Güte geleiten, so dass die lange Reise selbst Blinden, Lahmen, Schwangeren und jungen Müttern ohne Gefahr möglich sein wird. Er wird sie trösten, auch mit alledem, was sie dann vorfinden werden und ihnen ermöglicht wird: das Land bewirtschaften und reichlich Frucht ernten können und nach Jerusalem, zur Kultstätte pilgern dürfen. Vor Freude werden alle jauchzen und sich freuen über Gottes Gaben und den von ihm geschenkten Neuanfang. Es wird alles gut. Denn Gott verheißt: Sie werden weinend kommen, aber ich will sie trösten und leiten.