Coronavirus-Pandemie. Die Angst geht weltweit um, sich anzustecken mit dem todbringenden Virus. Es werden überall große Anstrengungen unternommen, um der Ausbreitung Herr zu werden und die Todesrate abzusenken. Menschen arbeiten deswegen bis zur Erschöpfung – vor allem in Krankenhäusern und Kliniken, aber auch in lebens- und versorgungswichtigen Zweigen der Wirtschaft und Landwirtschaft. Insgesamt müssen weitgehende Einschränkungen im privaten und öffentlichen Leben hingenommen werden. Das Fehlen sozialer Kontakte macht viele Menschen zusätzlich krank- psychisch krank. Und es gibt bereits zahlreiche wirtschaftliche Pleiten. Fast jeder ist sich auch im Klaren, dass es nach dem Abflauen der Pandemien nicht einfach so weitergehen wird wie vorher und es wohl noch Jahre dauern wird, bis einigermaßen Normalität eingezogen ist. Ganz zu schweigen von denen, die bleibende gesundheitliche Schäden davontragen oder durch die Pandemie liebe Menschen verloren haben.

Die Angst geht weltweit um in diesen Tagen und Wochen. Dabei hat sie viele Facetten, äußert sich also in ganz unterschiedlicher Weise. Freilich weiß heute jeder, dass es ein angstfreies Leben nicht gibt. Angst gehört essentiell, also wesensmäßig zum Menschen. Schon immer aber haben wir versucht, sie zu bewältigen, zu mindern, zu überwinden. Gegenkräfte wurden und werden gefunden durch Erforschung von Naturgesetzen, philosophische Erkenntnisse, Psychotherapien, durch hingebende Liebe, auch durch Religion. Aber ausschalten oder beseitigen lässt sie sich nicht. Das bleibt eine Illusion. Denn in allen Ängsten spiegelt sich das „Wissen“ um unsere Sterblichkeit, ganz gleich wie bewusst oder unbewusst uns das auch immer ist. Und sterben wird jeder von uns. Selbst wenn die Angst vor dem Tod ein Leben lang verdrängt wird, so tritt sie spätestens dann, wenn es aufs Sterben zugeht, ins Bewusstsein und ergreift uns.

Selbst Jesus, der Sohn Gottes, erlitt solche Todesangst. Wir erinnern uns. Es war im Garten Gethsemane am Abend vor seiner Gefangennahme. Er bat unter Tränen Gott, seinen Vater, diesen Todeskelch von ihm zu nehmen. Doch auch er wurde vom Tod nicht verschont, sondern erlitt ihn – am Kreuz, wie wir es am Karfreitag bedenken. Selbst er ging den Weg, den alle Menschen gehen müssen, den in den Tod.

Schlafmütze sagen wir zu jemandem, der nicht bei der Sache ist, die ihn eigentlich angeht. Schlafmützen verpassen den Tag, merken nicht, was um sie herum geschieht. Und dabei bemerken sie auch nicht die Gefahr, in der sie sich oder andere möglicherweise befinden.
Schlafmützen sind z.B. als Pfleger oder Schwestern auf einer Intensivstation nicht zu gebrauchen. Auch ein Lokführer muss hellwach, also bei der Sache sein. Ebenso der Autofahrer, der Fußgänger, der Lehrer, der Arbeiter am Fließband, der Soldat, Eltern, Kinder usw., im Grunde genommen jeder Mensch.
Schlafmützen sind nicht bei der Sache, die sie eigentlich angeht und sind nicht bei ihren Aufgaben, die sie zu erledigen haben. Das kann fatale Folgen haben – für denjenigen selbst und für andere. Deshalb werden sie oft zum Durchhalten aufgefordert, damit sie dranbleiben. Durchhalteparolen, Weckrufe gegen solche Schläfrigkeit, die uns in vielen Bereichen des Lebens hin und wieder übermannt. Durchhalteparolen und Weckrufe – ob im gesellschaftlichen oder politischen Umfeld, in der Familie, am Arbeitsplatz usw. Sie sind oft nötig gegen das Nachlassen einer gespannten Aufmerksamkeit. Manchmal aber gleiten sie ab in Drohungen: „Wenn ihr euch nicht zusammenreißt, dann werde ich euch das spüren lassen!“

Jesus traf seine Jünger oft schläfrig an. Beispielsweise als einige von ihnen im Garten Gethsemane einschliefen statt zu beten, während er in Todesangst im Gebet mit seinem himmlischen Vater darum rang, von ihm den bitteren Kelch zu nehmen.
Jesus kennt uns Menschen. Er weiß, wie anstrengend es oft ist, wachsam, gespannt aufmerksam zu sein. Gedroht hat er ihnen deshalb nicht, es jedoch mahnend angesprochen, so auch in dem Spruch für diesen Monat: Wachet! (Mk 13,37)

Wer im Dunkel lebt und wem kein Licht leuchtet, der vertraue auf den Namen des Herrn und verlasse sich auf seinen Gott. (Jes 50,10)

Wer möchte nicht gern der dunklen, trüben Jahreszeit entfliehen? Die wenigsten können es tatsächlich. So sorgen wir wenigstens in unserem Umfeld dafür, dass es heller und freundlicher wird. Wir zünden Lichter und Kerzen an und erwärmen uns zugleich an deren Schein – zu Hause in unseren Wohnungen oder am Haus und in unseren Gärten. Alles wird hell erleuchtet, damit es freundlich aufstrahlt. Viele strömen dorthin, wo die Menschen zusammenkommen, um sich im Lichterglanz, der die Dunkelheit durchbricht, und sich im weihnachtlichen Flair auf die Freude einzustimmen, die sie mit dem Weihnachtfest verbinden.

Vielleicht wird jedoch auf diese Weise auch eine Angst überdeckt, die tief in uns sitzt. Angst vor den Dunkelheiten in unserer Seele und in unserem Leben. Vielleicht auch die Angst davor, dass es in unserer Gesellschaft und in der Welt auch finsterer wird und solche Finsternis uns zu Boden drücken und die Luft zum Atmen nehmen kann.

1 Kor 7,23: Ihr seid teuer erkauft, werdet nicht der Menschen Knechte.

Wir wissen, Knechte und Mägde sind solche, die anderen untertan sind, ihren Herren dienen müssen, ob sie wollen oder nicht. Sie haben keine Möglichkeit, selbst zu entscheiden, was sie tun oder lassen wollen. Sie sind in diesem Sinn unfrei. Der Apostel Paulus warnt davor, in solche Unfreiheit zurück zu fallen. Daraus ist zu schlussfolgern, dass die Christen in Korinth, denen er das schreibt, frei sind, obwohl viele unter ihnen Sklaven sind. Sie alle sind befreite Menschen. Ihre Freiheit wurde teuer erkauft. Daran erinnert er sie.

Wir merken daraus, Paulus hat hier eine ganz bestimmte Vorstellung von Freiheit.
Er meint jedenfalls nicht die Freiheit, sich in einer bestimmten Situation so oder auch anders entscheiden zu können, Freiheit also im Sinne von Wahlfreiheit.
Er will Freiheit hier auch nicht verstanden wissen als ein Freisein in dem Sinn, etwas ungezwungen aus eigenem Antrieb zu tun (Freiheit zur Spontaneität und Selbstverwirklichung).
Dann kennen wir noch die Lebensfreiheit. Bei ihr ist der Mensch dann frei, wenn er so leben kann, dass sich die wahre Bestimmung seines Lebens erfüllt. Unfrei ist er, wenn er im Banne von Mächten und Menschen lebt, die ihn von dieser Bestimmung fernhalten, entfremden.

Im Monat November mit seinen kurzen Tagen, seiner düsteren Stimmung durch das Zurückziehen der Natur in den Winterschlaf werden wir unserer Vergänglichkeit in besonderem Maße bewusst. Häufiger als sonst kommen uns Bilder und Situationen vor Augen über die Brüchigkeit unseres Lebens und das Leid, das wir in solchen Zeiten ertragen müssen. Es gibt eben in unserem Leben nicht nur Sonnenschein, sondern auch Abschnitte, die uns schier verzweifeln lassen. Beispielsweise der Verlust eines geliebten Menschen oder gar der Tod des eigenen Kindes, eine schwere Krankheit, das Auseinanderbrechen der Familie, die Verarmung und Vereinsamung im Alter. Es sind Ereignisse, die uns den Boden unter den Füßen wegziehen. Das ganze Leben wird auf einmal infrage gestellt. Alle Gewissheiten und Hoffnungen sind dahin. Bitterkeit kommt auf. Trostlos sind die Tage und werden zur Qual. Kein Licht am Ende des Tunnels.
Gerade in solchen Zeiten suchen wir nach Erklärungen. Es lässt sich das leidvolle Schicksal ja leichter ertragen, wenn wir eine Erklärung dafür haben und Zusammenhänge erkennen von Ursache und Wirkung. Dann könnte man sogar etwas dagegen tun. Doch es gibt Leid, für das es überhaupt gar keine Erklärung gibt, wo wir auf unsere Warum-Fragen keine Antworten finden und unser Nachforschen an einer undurchdringlichen Wand endet. Wir werfen unser Warum Gott entgegen. Er aber scheint zu schweigen. Mancher hat deswegen seinen Glauben an ihn verloren, erwartet nichts mehr von ihm und will von ihm nichts mehr wissen.