In der Übersetzung der Lutherbibel von 2017 lautet der Wochenspruch: Nach deinem Vermögen gib Almosen; auch wenn du nur wenig hast, scheue dich nicht, wenig Almosen zu geben. (Tobit 4,8)

Bei diesen Worten fiel mir ein Erlebnis ein, das ich vor mehr als 10 Jahren hatte. Eines Tages klingelte an meiner Pfarrhaustür ein Mann, der um Geld bat – ein Bettler also. Pfarrhäuser werden von ihnen immer gern angesteuert. Er wollte Geld. Ich bot ihm eine Essensmahlzeit und auch einen Gaststättenbesuch an. Er lehnte ab. Er brauche Geld. Ich fragte, für was. Er antwortete, das sei doch egal, er brauche es eben. Ich bot ihm Fahrgeld an. Er lehnte wiederum ab. Er brauche kein Fahrgeld und zeigte dabei auf sein Mofa, mit dem er offensichtlich gekommen war. Nach längerer Diskussion poltere er ziemlich aggressiv gegen mich los: „Ich habe ein Recht darauf, dass ich das Geld bekomme, das ich brauche.“ Das verschlug mir für einen Moment die Sprache. Ich erkannte ja keine Bedürftigkeit bei ihm, nur diese unverschämte und durch nichts gerechtfertigte Forderung.

Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele? (Monatsspruch) Jesus sagte das seinen Jüngern, als er ihnen vor Augen führte, dass es für die, die bei ihm bleiben und ihm nachfolgen, unter Umständen lebensgefährlich werden kann. Seine Verkündigung vom Reich Gottes, von seiner Liebe und von seinem Willen, ist der Welt, in der es doch so ganz anders zugeht, ein Dorn im Auge. Jesus wurde deswegen angefeindet. Er wusste, er wird deswegen leiden und auch sterben. Seinen Jüngern kündigte er das an und verschwieg ihnen nicht, dass es auch ihnen so ergehen könnte, wenn sie bei ihm bleiben und ihm nachfolgen.
Ihm nachfolgen heißt immer, ihm zu vertrauen und Gottes Willen treu zu bleiben. Das aber wird in dieser Welt nicht konfliktfrei bleiben. Es kann sein, dass die, die ihm treu bleiben, ebenfalls ihr Kreuz auf sich zu nehmen haben und sogar damit rechnen müssen, ihr Leben auch zu verlieren.

Ein jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn. Dass der Verfasser des Jakobusbriefes irgendwie Recht hat mit seiner Mahnung, sieht wohl fast jeder ein. Selbst derjenige, der seinem Chef einmal nach einer kontroversen Diskussion den Rat gab, mal richtig auf den Tisch zu hauen, die Querulanten mit Macht in die Knie zu zwingen, damit ein für alle Mal Ruhe ist, sagte ihm später, dass er froh sei für seine Gelassenheit. Sonst wäre der Gesprächsfaden endgültig gerissen und das Klima nachhaltig vergiftet. Da könne keiner mehr mit dem anderen.

Langsam zum Zorn, rät Jakobus. Er meint nicht, du darfst überhaupt nicht zornig werden. Zorn schon, aber einen gemäßigten. Auch die Bibel erzählt, dass Zorn aufkommt in Beziehungen. Vielmals erzählt sie uns, dass selbst auch Gott zornig wurde, und zwar dann, wenn Menschen sich quer stellten zu ihm und mutwillig seinen Willen und seine Heilswege mit ihnen missachteten. Und auch Jesus wurde oft zornig. Wir denken da besonders an die Geschichte, als er die Geldwechsler aus dem Tempel trieb. Zorn gehört zum menschlichen Leben. Ihn gewaltsam zu unterdrücken, das führt zu psychischen Störungen.

Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe. Ein Auftrag Jesu an seine Jünger. Ein Auftrag seines göttlichen Vaters. Er verkündete das nahende Reich Gottes, weil Gott sich mit dieser Welt nicht abfinden will – mit ihrer Verlorenheit. Er liebt sie und will sie deshalb heil machen. In seinem Reich sind Leiden, Krankheit, Tod und Schuld überwunden. Das will er für die Menschen. Das war der Kern der Verkündigung Jesu.

Verkündigen heißt in unserem Zusammenhang, in Vollmacht eines Sendenden ein Ereignis ausrufen, proklamieren durch einen Abgesandten, einen Herold. Der Herold doziert nicht oder pflegt eine Konversation über das Ereignis. Sondern er kündigt das Ereignis an, ruft es aus. Und indem er es tut, beginnt es tatsächlich anzubrechen. So ist auch die Verkündigung des Reiches Gottes zu verstehen. Mit der Verkündigung beginnt es anzubrechen – das Herrsein Gottes über die ganze Schöpfung, das wir Menschen ihm schon immer streitig machen. Gott richtet aus Liebe zu uns Menschen auf diese Weise seine Herrschaft selbst auf, ergreift Besitz und eben damit das Heil für uns – nicht mit Gewalt, sondern eben durchs Wort, was die Möglichkeit einräumt, sein Herrsein auch abzulehnen. Wir können uns das Ganze etwa so vorstellen, wie wenn einer, der ein unbekanntes Land betritt – bei Gott gibt es allerdings kein unbekanntes Land -, seine Flagge hisst und es dadurch als sein Eigentum kenntlich macht und das Seine darauf tut.

Freundliche Reden sind Honigseim, süß für die Seele und heilsam für die Glieder. (Spr 16,24)

„Freundliche Worte tun gut“, sagt im Gespräch eine Frau zur anderen. Die erwidert: „Ja, wenn sie denn echt sind“ und erzählt über ihre negativen Erfahrungen. In der Tat: Freundliche Worte können aufgesetzt sein, berechnend. Mit wem einmal so umgegangen worden ist, der wird eine Portion Misstrauen an den Tag legen, wird herauszufinden versuchen, ob sie wirklich ernst gemeint sind, oder ob einem da nur Honig um den Bart geschmiert wird, um ausgenutzt oder hereingelegt zu werden. Die vermeintlich freundlichen Worte sind dann verführerische Worte, mit denen keine guten Absichten verfolgt werden und nichts Gutes im Schilde geführt wird. Denn Honig um den Bart geschmiert heißt ja gerade, jemanden mit einem in Aussicht gestellten süßen Geschmack von Worten auf seine Seite zu ziehen, ihn zu verführen.

Solch „freundliche Rede“ meint der Monatsspruch nicht. Wir können die im hebräischen Urtext gebrauchte Wendung umschreiben mit: Freundliches Reden ist von Annehmlichkeit, Schönheit und Freundlichkeit geprägt, frei also von einem irgendwie gearteten Hintersinn. Freundlich zu anderen reden zielt auf das Wohl des anderen. Solche Rede soll ihm gut tun wie Honig mit seiner Süße und seinen Inhaltsstoffen. Und am süßesten und mit den meisten Inhaltsstoffen versehen ist der Honigseim, der ungeläuterte Honig, wie er aus der Wabe abfließt. Das Beste also soll erreicht werden für den, mit dem ich rede.