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Ich wünsche dir in jeder Hinsicht Wohlergehen und Gesundheit, so wie es deiner Seele wohlergeht.

Etwas ganz Alltägliches, so meinen wir, was dieser Schreiber des 3. Johannesbriefes dem Empfänger Gaius wünscht: Wohlergehen und Gesundheit. Wir tun das ja heute ebenso. Wir schreiben einem Bekannten, Freund oder Verwandten einen Brief und beschließen ihn meist mit solchen guten Wünschen. Oder wir wünschen es uns, wenn wir uns sehen, miteinander telefonieren oder jemandem einen Besuch abstatten. „Bleib´ gesund und lass es dir gut gehen.“ So oder so ähnlich verabschieden wir uns auch von ihnen.
Gesundheit und Wohlergehen wünschen wir uns dann, wenn wir einander zugetan sind und nicht wollen, dass der oder die andere krank wird oder es ihr oder ihm in irgendeiner Weise schlecht geht im Leben. Jemandem Wohlergehen, Gesundheit, Glück zu wünschen, das ist deshalb eben keine Allerweltsfloskel, sondern zeugt von einem Wohlwollen zum anderen und von guten Beziehungen, die diejenigen zueinander haben.

Sehr gute Beziehungen hatten auch der Briefschreiber – es ist wohl der Presbyter Johannes – und Gaius. Johannes redete ihn im Vers 1 sogar mit „mein Lieber, …, den ich wahrhaftig liebe“ an. Er war kein Amtsträger in den Gemeinden, wie es sonst üblich war, sondern trug diese Bezeichnung als Ehrenname, da er Träger und Überlieferer der apostolischen Tradition in den Gemeinden im Raum Ephesus war. Auch gehörte er wahrscheinlich zu dem Kreis derer, die an der Endfassung des Johannesevangeliums mitwirkten. Er genoss deshalb in diesen Gemeinden hohes Ansehen und galt schlechthin als eine herausragende und allseits geschätzte Autorität. Er hatte aber Ärger mit einem dortigen Gemeindeleiter, dem Diotrephes. Denn Diotrephes vertrat in dieser Gemeinde einen Irrglauben, ordnete die Abweisung der vom Presbyter gesandten Boten an, weil er keine kirchliche Autorität neben sich duldete, selbst nicht die des Presbyters.

In der diesjährigen April-Ausgabe der Zeitschrift „chrismon“ wird eine Umfrage des Kantar EMNID-Institutes mit der Fragestellung „Was kommt nach dem Tod?“ veröffentlicht. Das Fazit: „Eine Mehrheit glaubt, es geht weiter – irgendwie.“ Interessant ist allerdings, welche Vorstellungen es darüber gibt. 9 % der 1008 Befragten meint, der Mensch stirbt und wird zum Gottesgericht von den Toten wieder zum neuen Leben auferweckt. 2 % ist der Überzeugung, der Tod ist ein Schlaf, aus dem der Mensch am Jüngsten Tag erwacht. In den Antworten der übrigen 89 % sind überhaupt keine Bezüge zum christlichen Glauben erkennbar.

Warum greife ich diese Umfrage auf? Nun, in diesem Monat feiern wir wieder Ostern. Wieso es dieses Fest überhaupt gibt und es noch heute gefeiert wird, das weiß nur noch eine Minderheit der Bevölkerung. Für die Mehrheit ist es ein Frühlingsfest. Die Natur erwacht nach den Monaten der Kälte, Ungemütlichkeit und Dunkelheit in den wärmenden Sonnenstrahlen und zeigt sich in zunehmender Pracht. Das tut uns natürlich allen gut. Und das sollte doch nach Meinung vieler auch gefeiert werden, am besten zu Ostern, weil das mitten im Frühling liegt.
Doch Ostern hat mit Frühling nichts zu tun. Mit Ostern gab es eine Zeitenwende für die Menschheit. Das ist das bleibend Neue und etwas fundamental anderes als die Zeitenwende, von der man heute in den politischen Kreisen in Europa nach dem Einmarsch der russischen Truppen in die Ukraine spricht.

Von jener Zeitenwende kündet nach der Ostererzählung des Evangelisten Johannes zuallererst Maria Magdalena, ein Jüngerin Jesu. Der Evangelist berichtet – und dies ist der Spruch für diesen Monat: Maria Magdalena geht und verkündigt den Jüngern: „Ich habe den Herrn gesehen“ und was er zu ihr gesagt habe. Doch was war denn da vorher passiert, was Maria dann weitersagte?

Zürnt ihr, so sündigt nicht; sondern lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen (Eph 4,26).

Dass der Zorn des Menschen nicht generell verwerflich und schon Sünde ist, wissen wir alle. Die Bibel, so auch der Monatsspruch aus dem Epheserbrief, behauptet da nichts anderes. Und Martin Luther schrieb in seiner Genesisvorlesung über den Zorn so (WA 44, 493,34-36): „Der Zorn, wenn er maßvoll ist und in der Wahrheit bleibt und rechtmäßig ist, ist ein natürlicher Affekt, durch göttliche Fügung der Natur des Menschen eingepflanzt.“

Zornig werden wir, wenn wir mit Menschen oder auch wegen der Verhältnisse um uns herum unzufrieden sind, wenn nicht alles so ist, wie wir uns das vorstellen oder wir als richtig und gerecht empfinden. Wir erregen uns dann darüber und verschaffen unserem Ärger und unserer Unzufriedenheit Luft.
So wird unser Herz z.B. häufig zornig, wenn wir uns über liebloses Verhalten in der Verwandtschaft, unter Freunden, Kollegen und Nachbarn ärgern. Auch dort, wo die Würde des Menschen mit Füßen getreten wird – in der Gesellschaft, im Betrieb, in unserem Umfeld. Alle solche Konflikte können uns zornig machen.
Solchen Zorn brauchen wir nicht zu unterdrücken. Mal Dampf ablassen ist dann oft hilfreich, um einen Konflikt unter uns und in der Gesellschaft wirklich auch angehen und lösen zu können.
Dass Menschen beispielsweise deswegen, weil sie die Corona-Maßnahmen und die kommende Impfpflicht begründet ablehnen, voller Unmut und Ärger auf die Straße gehen und ihrem Herzen Luft machen, ist mehr als nur legitim. Auf diese Weise tragen sie mit dazu bei, dass Grundrechtseinschränkungen nicht ausufern können; dass also diesbezügliche Konflikte abgebaut und ausgeräumt werden können. Sich mal etwas Luft und Gehör zu verschaffen ist manchmal hilfreich, damit alle wieder frei atmen können. Aber...

Den meisten Christen ist das Vaterunser so geläufig, dass sie es auswendig beten können. Es ist das Gebet, das Jesus Christus uns gelehrt hat und daher in jedem Gottesdienst gebetet wird. Mit dem Vaterunser hat uns Jesus eine Tür geöffnet. Die Tür zum Vater. Er will, dass wir durch diese Türe gehen, dass wir sie benutzen, Tag um Tag, indem wir mit ihm reden, d.h. zu ihm beten. Es ist die Tür zum Leben, die Tür zum Heil. Dass sie uns offen steht, verdanken wir Jesus. Ihm allein. Sie steht uns immer offen, auch wenn wir vor lauter Kummer, Leid und Not an Gott, unserem Vater, irre werden und von ihm kaum noch etwas erwarten. Mit den Bitten im Vaterunser an Gott richtet sich der Betende voller Hoffnung an den, von dem er vielleicht nur noch als Einzigem Hilfe und Wegweisung erwartet – Hilfe und Wegweisung zum Leben, zum Heil.

Für viele schwer zu verstehen sind die letzten beiden Bitten "Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen". Es sind Bitten um Bewahrung vor weiteren Sünden und der Befreiung von ihnen. Sie nehmen ernst, dass wir bedrohte Wesen sind, nicht nur hinsichtlich von Gesundheit, Wohlstand usw. Sondern vor allem, dass wir Zwängen unterliegen, denen wir aus eigener Kraft nicht entkommen, selbst wenn wir es ernsthaft wollen. Das kennen wir aus unserem Leben nur zur Genüge. Es kann ja keiner für sich selbst die Hand ins Feuer legen. Wir sollen daher Gott darum bitten, von Situationen, die uns überfordern könnten, verschont zu bleiben und in solchen Situationen nicht versucht zu werden, d.h., zum Tun des Bösen verleitet zu werden. Positiv gesagt: Wir sollen Gott darum bitten, dass er uns vom Bösen erlöse – hier und jetzt und in Ewigkeit. Darum geht es in dieser Vaterunser-Bitte.

Um eine ähnliche Thematik geht es im Monatsspruch aus Eph 6,18: Betet allezeit mit allem Bitten und Flehen im Geist und wacht dazu mit aller Beharrlichkeit und Flehen für alle Heiligen.

Freue dich und sei fröhlich, du Tochter Zion! Denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen, spricht der HERR. (Sach 2,14)

„Wer ist denn die Tochter Zion?“, so wurde ich häufig nicht nur von meinen Konfirmandinnen und Konfirmanden gefragt, sondern auch in Chorproben von Sängerinnen und Sängern, die besonders beim Lied „Tochter Zion, freu dich“ an eine rätselhafte Person dachten.
Nicht nur beim Prophet Sacharja lesen wir über die Tochter Zion, sondern auch bei Jesaja, Jeremia, bei Psalmendichtern und weiteren Propheten. Mit Tochter Zion ist die Stadt Jerusalem mit ihren Einwohnern gemeint. Mitten in der von König David um 1000 vor Christus eroberten Stadt Jerusalem liegt ein Hügel, Zion genannt. Auf ihm sollten er und seine Nachkommen nach Gottes Willen einen Tempel errichten, in dem er, Gott, inmitten seines Volkes wohnen will. Die zuletzt riesige Tempelanlage trug dann auch den Namen Zion. Die Stadt selbst mit ihren Einwohnern wurde jedoch Tochter Zion genannt. Gott hatte sie sich selbst erwählt, um seinem Volk ganz nahe sein zu können.

Sacharja nun wiederholt Gottes Absicht, zur Tochter Zion zu kommen und bei ihr zu wohnen. Der Tochter Zion ist es ja zwischenzeitlich auch wirklich schlimm ergangen. In totaler Selbstüberschätzung und Selbstsicherheit ging sie eigene Wege, hörte nicht auf Gottes Rat. Die Katstrophe folgte: Kriege, die letztlich zur Zerstörung der Stadt und des Tempels führten, zur Verschleppung weiter Teile der Bevölkerung ins Exil; Not, Armut und wirtschaftlicher Niedergang in großem Ausmaß unter den Zurückgeblieben im Land und denen, die aus dem Exil wieder heimkehren durften. „Wir sind von Gott Verlassene“, mögen viele gedacht und die Hoffnung auf Besserung aufgegeben haben. Gegen alle Hoffnungslosigkeit und Resignation kündigt Sacharja im ausgehenden 6. Jahrhundert vor Christus an: Freue dich und sei fröhlich, du Tochter Zion! Denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen, spricht der HERR.
Gott bleibt also seiner Erwählung treu und erneuert sogar seine Zusage, zur Tochter Zion zu kommen und bei ihr zu wohnen. Darüber soll sie sich freuen und in Jubel ausbrechen. Denn wo Gott aufgenommen wird und wo mit ihm gelebt wird, ziehen Heil und Segen ein, wie es Gottes Propheten immer wieder verkündeten.