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Dienet einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der mancherlei Gnade Gottes (1 Petr 4,10). Man kann diesen Vers auch anders, einfacher wiedergeben: Seid füreinander da, helft euch gegenseitig, jeder mit der Gabe, die er von Gott bekommen hat, zum Aufbau und Zusammenhalt der Gemeinde.

Jeder Mensch ist von Gott begabt, mit Fähigkeiten ausgestattet worden. Sie soll er nicht vorrangig für sich gebrauchen, sondern zum Nutzen und zur Hilfe für andere einsetzen. So will es Gott. Denn ohne gegenseitige Hilfe kann kein Mensch leben. Wir Menschen brauchen einander. Dass dies immer wieder Schwierigkeiten bereitet, spüren wir oft schmerzlich. Denn der Mensch handelt egoistisch, denkt oft nur an sich selbst und sorgt sich zuerst nur um sich selbst. Darunter leidet allerdings schon immer unser Zusammenleben.

Normalerweise macht daher das Dienen, das Füreinander-da-Sein, keine Schlagzeilen in den Medien. Doch in diesen schwierigen Zeiten der Coronavirus-Pandemie ist es anders. In den Zeitungen, im Fernsehen und Rundfunk und im Internet hören, sehen und lesen wir jetzt, wie viele Menschen sich nahezu aufopfern, um den vielen, die krank geworden sind oder durch die gesetzlich verordneten Einschränkungen ihren Alltag nicht mehr auf die Reihe bekommen, zu helfen. Abstand halten, Hygienemaßnahmen einhalten, Kontakte vermeiden, Angehörige vor allem in Krankenhäusern und Pflegeheimen nicht besuchen dürfen, so wenig wie möglich das Haus verlassen, nicht mehr verreisen können, strenge Auflagen für Gottesdienste und Versammlungen. Und dann die sozialen und familiären Probleme und Folgen durch Homeoffice und Homeschooling! Das zermürbt auf Dauer, treibt manche auch in die Armut. Die Betroffenen in den Krankenhäusern, zu Hause, an den Arbeitsplätzen, im öffentlichen Leben, brauchen Hilfe. Da gibt es nun viele, die jetzt für andere da sind, zum Teil z.B. im Gesundheitswesen bis an den Rand der Erschöpfung arbeiten, damit die Betroffenen in ihrer und mit ihrer Situation einigermaßen klar kommen können. Die Welle der Hilfsbereitschaft unter den Menschen ist groß geworden – Gott sei Dank. Wir können unseren Dank nicht oft genug sagen gegenüber allen, die solche Hilfe leisten.

In solchem mitmenschlichen Handeln äußert sich die Liebe Gottes zu allen Menschen, auch wenn der- bzw. diejenige sich dessen nicht bewusst ist oder diesen Gedanken sogar ablehnt. Dass wir unsere Mitmenschlichkeit allerdings auch gar oft aus egoistischen Gründen zurückstellen oder vielleicht gar missbrauchen, ändert daran nichts. Gottes Liebe will alle Menschen erreichen.

Nun richtet sich der 1. Petrusbrief jedoch an Christen. Das Thema des Verfassers ist die Hoffnung. Er will die Christen, die wegen der nicht gerade christenfreundlichen Haltung ihrer Mitmenschen mancherlei Leiden ertragen müssen, an ihre Hoffnung erinnern, die sie im Glauben an Jesus Christus haben. Diese Hoffnung, so der Briefschreiber, kann nicht enttäuscht werden, weil sie nicht von den Men­schen selbst gemacht und ausgedacht ist. Gott ist der Grund und Urheber dieser Hoffnung. Sie hat einen Namen – Jesus Christus, der Auferstandene. Gott schenkt sie in seiner großen Barmherzigkeit durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten (1 Petr 1,3). Damit diese Hoffnung lebendig bleibt, braucht es ein lebendiges Gemeindeleben, das in der Liebe zu Gott wurzelt und in dem eine beharrliche Liebe auch untereinander in der christlichen Gemeinschaft praktiziert wird. Als Beispiele nennt er das Gebet, die Gastfreundschaft und das Dienen, das Füreinander-da-Sein.

Wenn nun Christen aus dem Glauben heraus helfen, so tun sie das nicht ohne Gott. Er ist immer mit dabei. Denn jeder Christ ist von ihm mit bestimmten Fähigkeiten und Begabungen ausgestattet. Charismen oder Gnadengaben – so bezeichnen wir sie. Sie soll er für den Nächsten einsetzen, um ihm bei aller praktischen, menschlichen Hilfe etwas weiterzugeben von der überfließenden Gunst Gottes, von seinem Wohlwollen und seiner Liebe. Solche Gnadengaben sind ganz verschieden und keiner hat sie alle. Da ist die Gabe zu trösten. Wer sie einsetzt, kann trösten mit göttlichem Trost, indem er beispielsweise einfach Worte des Ps 23 benutzt: Der Herr ist mein Hirte... Da ist die Gabe des Betens. So kann derjenige beispielsweise am Krankenbett das Vaterunser beten und Gott um Genesung bitten. Da ist die Gabe, über den Glauben und die christliche Hoffnung zu reden überall dort, wo sich Sinnlosigkeit und Hoffnungslosigkeit breit machen. Das ist die Gabe des Erzählens. Der oder diejenige kann auf diese Weise besonders den Kindern und Jugendlichen Gott nahe bringen, kann von der unendlichen Liebe Gottes zu uns Menschen erzählen, seine Schöpfung vor Augen führen und Geschichten von Jesus erzählen und sie vielleicht sogar nachspielen.
Gnadengaben Gottes einsetzen. Mit kirchlicher Betriebsamkeit und Aktionismus ist es da nicht getan, sondern es ist Gottes Geist, der sich in den Gnadengaben entfaltet. Auf diese Weise kann den Menschen nicht nur menschlich geholfen werden, sondern sie können zugleich die Nähe Gottes erfahren mit seiner heilsamen Liebe für Leib und Seele. Der Dienst eines Christen am Nächsten äußert sich also nicht nur so, dass leiblich geholfen wird, sondern dass dem Nächsten die Kraftquelle Gottes nahe gebracht wird.
Und in Bezug auf die Gemeinden und die Kirche heißt das: Wenn Christen füreinander da sind, wenn sie sich nicht aus den Augen verlieren, sondern sich gegenseitig helfen und stützen, so stärkt das unsere Gemeinden und die ganze Kirche und strahlt selbst in die ganze Gesellschaft hinein und befruchtet das Zusammenleben und die Solidarität auch in ihr.

Seid füreinander da, jeder mit der Gabe, die er von Gott bekommen hat, zum Aufbau und Zusammenhalt der Gemeinde. Und wir werden erleben - daraus kommt viel Frucht.