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Ostern in diesem Jahr 2021, dem zweiten in der Corona-Pandemie. Ostern auch in diesem Jahr wieder mit diesbezüglichen Einschränkungen von Begegnungen, Festlichkeiten und Feiern, mit Einschränkungen der Grundrechte und Grundfreiheiten im gesellschaftlichen und persönlichen Leben. Dennoch ein Silberstreif - die Natur, die nun wieder erwacht und aufblüht. Endlich Ostern – und den Frühling feiern. Doch so rechte Freude will auch in diesem Jahr nicht aufkommen.

Ostern 2021. Auch in diesem Jahr feiern es die Christen mit Freude und Dankbarkeit. Nicht als Frühlingsfest, sondern weil ihr Herr und Bruder Jesus Christus nicht im Tode geblieben, sondern auferstanden und gegenwärtig ist. Das ist der Grund, warum wir Christen Ostern feiern. Christus ist lebendig. Die Macht des Todes hat er gebrochen. So bekennen wir es.

Es ist eine alte und doch auch stets neue, aktuelle Botschaft an uns. Wir sehen und erfahren ja täglich auch das andere: Der Tod hat immer noch nichts von seiner Schrecklichkeit verloren; und wo er liebe Menschen von unserer Seite nimmt, bringt er uns viel Kummer, Leid und Angst. Das ficht uns in unserem Glauben immer wieder auch an. Dann fragen wir: Hat der Tod wirklich seine Endgültigkeit eingebüßt und sind wir tatsächlich nicht verloren, weil Christus ihn besiegt hat? Hat sich der Tod wirklich die Zähne an ihm ausgebissen und hat ihn nicht halten können im Totenreich? Ist deshalb mit dem Tod doch nicht alles aus, sondern dürfen wir hoffen, aus dem Todesverhängnis gerettet zu werden, wie uns verheißen wird?

Auch die ersten Christen damals nach Jesu Auferstehung werden solche oder so ähnliche Fragen gehabt haben. Wir wissen darüber aus dem Neuen Testament. Sie werden ebenso wie wir heute damit gerungen haben, weil die tägliche Wirklichkeit unserer Welt vordergründig nach wie vor so ist, wie sie uns immer vor Augen steht: Not – Leid – Krankheit - Sterben – Tod – Ende – alles aus.
Gerungen haben sie, weil sie etwas Unfassbares erlebt hatten: Jesus ist ihnen nach seiner Grablegung, also nach seinem Tod, erschienen und hat mit ihnen geredet. „So was gibt´s doch nicht“, mögen sie gedacht haben. Furcht, sogar Entsetzen und Zweifel ergriffen sie. Doch der Auferstandene half ihnen auf verschiedene Weise, seine Auferstehung und ihre Bedeutung zu begreifen, indem er sie vor allem an seine Worte und seine Taten erinnerte, die für sie allerdings auch oft rätselhaft waren. Nun jedoch fügte sich nach und nach alles zusammen zu der Erkenntnis und Gewissheit: Dieser Mensch Jesus, den wir kannten, dem wir begegneten und mit dem wir sogar zusammen waren, der ist mehr als nur ein Mensch gewesen. Er war der Messias, der Menschensohn, der Gottessohn, auf den wir so sehr warteten und über den er selbst so oft sprach. Wir aber hatten das nicht verstanden und waren blind.
Immer mehr Juden und später dann hauptsächlich Nichtjuden, Heiden, wollten zu dem Auferstandenen gehören. Sie glaubten an ihn, indem sie ihr Herz und ihr Leben ihm und seinem heilsamen Evangelium öffneten. Denn sie erkannten: Er ist der, durch den auch wir wahres, neues Leben bekommen. Wir brauchen mit ihm die finsteren Mächte dieser Welt und auch den Tod nun nicht mehr zu fürchten.
Der Apostel Paulus war derjenige, der solche Gedanken, Erkenntnisse und Bekenntnisse der Christen im Geiste Christi durchdrang, sie „verdichtete“ und in seinen Briefen christlichen Gemeinden darlegte, z.B. auch Bekenntnisformeln und Christushymnen, die die Gemeinden in ihren Versammlungen und Gottesdiensten bereits gebrauchten, oft schon in gehobener Sprache.

Einen solchen Christushymnus hatte auch ein Paulusschüler zwischen 70 und 80 nach Christus in seinen Brief an die Kolosser aufgenommen (Kol 1,15-20). In ihm wird Christus als Gottes Sohn gelobt, dem Erstgeborenen vor der Schöpfung und dem Erstgeborenen aus den Toten. Die erste Zeile in ihm ist der Spruch für diesen Monat (Kol 1,15): Christus ist Bild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene der ganzen Schöpfung.
Für uns heute ist das, was damit gemeint ist, nicht leicht zu erfassen. Denn wir müssen dabei erst die Vorstellungen und die Denkmuster der damaligen Zeit durchdringen. Was gemeint ist, können wir dann in etwa so wiedergeben: Christus hat Einsicht in den Willen und die Geheimnisse Gottes, des Vaters. Zudem konzentriert sich in ihm auch die Absicht Gottes, die er aus Liebe und Barmherzigkeit mit seiner Schöpfung und so auch mit uns Menschen hat. Diese Absicht wird uns deutlich durch seine Menschwerdung, seine Kreuzigung und Auferstehung, nämlich Erlösung vom Tod und von allen Übeln. An allen, die an Christus glauben, wird sich das auch verwirklichen. Und zwar, indem er als Schöpfungsmittler, der über allem Geschaffenen steht (= der Erstgeborene der ganzen Schöpfung), die Gläubigen nun mit auf den Weg zu seinem Vater nimmt, wo sie wie er, ihr Herr und Bruder, an der Seite des Vaters stehen werden.

Christus repräsentiert also Gott in seiner ganzen Vollmacht, Barmherzigkeit und Gnade und öffnet den Weg zu ihm. Mit ihm begegnet der Mensch seinem Heil und kommt zum Vater, den Schöpfer allen Lebens, bei dem es weder den Tod noch finstere Mächte und Gewalten gibt. Denn dieser Mensch und Gott Jesus Christus ist mit allem, was er uns zuliebe tat und tut, und wie er sich uns zeigte und zeigt, in eins mit dem Willen seines Vaters. In Christus ist also der ganze Gott. Martin Luther sagte es so (WA 30 I, 192, 3-5, Großer Katechismus 1529): „Denn wir könnten nie dahin kommen, dass wir des Vaters Huld und Gnade erkennen, es sei denn durch den Herrn Christus, der ein Spiegel des väterlichen Herzens ist.“ Er ist die Gegenwart Gottes auch bei uns. Doch wie kommen wir nun zu diesem Christus? Noch einmal Martin Luther (WA 10 III, 349, 19-21.22-24.29-30, aus einer Predigt zu Mt 22,37 am 19.10.1522 in Weimar): „Ei, den magst du nicht anders haben denn im Evangelio, darinnen er dir verheißen wird … Und also kommt Christus durch das Evangelium in unser Herz, der muss auch mit dem Herzen angenommen werden. So ich nun glaub, dass er im Evangelio sei, so empfange und habe ich ihn schön … Also werden wir auch durch den Glauben in Christo aller seiner Güter und Reichtümer reich.“ – jedoch, da er nun im Himmel bei dem Vater ist, nur durch sein Evangelium, die frohe Botschaft von ihm, und die Sakramente.

Ostern 2021. Wir Christen feiern es auch in diesem Jahr – nicht als Frühlingsfest, sondern als Freudenfest über die Auferstehung Jesu. Denn worüber sollten wir uns mehr freuen als darüber und somit über ihn, der das Bild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene der ganzen Schöpfung ist? Das ist der Grund wahrer Osterfreue. Denn im Glauben an ihn sind wir der verlorenen Welt entrissen und neue Menschen, wiedergeboren bzw. neugeboren aus Gott, in deren Herzen nun Christus als Repräsentant Gottes sein heilsames Werk an uns verrichtet. Sein heilsames Werk ist sein Kampf für uns gegen die Mächte und Gewalten dieser Welt, die uns immer noch regieren und ihm entreißen wollen. Erlösung und Befreiung von ihnen, von allem Leid, von Schuld und vom ewigen Tod. Das alles ist sein Werk an uns. Versöhnung mit Gott, ewiger Frieden. So werden wir als neue, wiedergeborene Menschen von ihm vollendet. Welch eine Gnade, dass der in unsere Welt und in unser Leben getreten ist, der das Bild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene der ganzen Schöpfung ist.