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Freue dich und sei fröhlich, du Tochter Zion! Denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen, spricht der HERR. (Sach 2,14)

„Wer ist denn die Tochter Zion?“, so wurde ich häufig nicht nur von meinen Konfirmandinnen und Konfirmanden gefragt, sondern auch in Chorproben von Sängerinnen und Sängern, die besonders beim Lied „Tochter Zion, freu dich“ an eine rätselhafte Person dachten.
Nicht nur beim Prophet Sacharja lesen wir über die Tochter Zion, sondern auch bei Jesaja, Jeremia, bei Psalmendichtern und weiteren Propheten. Mit Tochter Zion ist die Stadt Jerusalem mit ihren Einwohnern gemeint. Mitten in der von König David um 1000 vor Christus eroberten Stadt Jerusalem liegt ein Hügel, Zion genannt. Auf ihm sollten er und seine Nachkommen nach Gottes Willen einen Tempel errichten, in dem er, Gott, inmitten seines Volkes wohnen will. Die zuletzt riesige Tempelanlage trug dann auch den Namen Zion. Die Stadt selbst mit ihren Einwohnern wurde jedoch Tochter Zion genannt. Gott hatte sie sich selbst erwählt, um seinem Volk ganz nahe sein zu können.

Sacharja nun wiederholt Gottes Absicht, zur Tochter Zion zu kommen und bei ihr zu wohnen. Der Tochter Zion ist es ja zwischenzeitlich auch wirklich schlimm ergangen. In totaler Selbstüberschätzung und Selbstsicherheit ging sie eigene Wege, hörte nicht auf Gottes Rat. Die Katstrophe folgte: Kriege, die letztlich zur Zerstörung der Stadt und des Tempels führten, zur Verschleppung weiter Teile der Bevölkerung ins Exil; Not, Armut und wirtschaftlicher Niedergang in großem Ausmaß unter den Zurückgeblieben im Land und denen, die aus dem Exil wieder heimkehren durften. „Wir sind von Gott Verlassene“, mögen viele gedacht und die Hoffnung auf Besserung aufgegeben haben. Gegen alle Hoffnungslosigkeit und Resignation kündigt Sacharja im ausgehenden 6. Jahrhundert vor Christus an: Freue dich und sei fröhlich, du Tochter Zion! Denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen, spricht der HERR.
Gott bleibt also seiner Erwählung treu und erneuert sogar seine Zusage, zur Tochter Zion zu kommen und bei ihr zu wohnen. Darüber soll sie sich freuen und in Jubel ausbrechen. Denn wo Gott aufgenommen wird und wo mit ihm gelebt wird, ziehen Heil und Segen ein, wie es Gottes Propheten immer wieder verkündeten.

Sacharja und viele mit ihm hofften dabei auf eine schnelle, großartige Wiederherstellung der früheren gesellschaftlichen und religiösen Verhältnisse, auf die Wiederherstellung der vorherigen dynastischen Verhältnisse mit einem Davididen als König an der Spitze. Doch diese Hoffnungen haben sich nicht erfüllt. Sicherlich waren viele enttäuscht darüber, auch über Gott, der das verkünden ließ. Doch Gott hatte seine Gründe, seinen Ratschluss zu ändern und einen anderen Weg mit seinem erwählten Volk und mit uns Menschen insgesamt zu gehen.

Der neue Weg Gottes mit uns Menschen offenbart sich mit Jesus Christus. Seine Anhänger erkannten mehr und mehr, dass mit ihm Gott zu uns gekommen ist. Die Menschen in Jerusalem begrüßten ihn wenige Tage vor dem Passahfest mit Palmenzweigen und lauten Jubelrufen. „Er kommt!“ Diese Botschaft verbreitete sich im Nu. „Es wird Zeit, dass er kommt“, wird damals so mancher gedacht haben. „Freu dich! Jubele! Endlich kommt er.“
Viele damals erwarteten aber eher auch nur wieder einen starken Mann. Jesus aber kam auf einem Esel geritten, nicht auf einem Streitross, hatte weder königliche Kleider an noch ein Heer mit sich. Er war in ihren Augen machtlos. Als Bettelkönig, so niedrig ist er dahergekommen, schrieb einmal Martin Luther.

Und heute? Heute setzen viele Menschen ihre Hoffnungen und Erwartungen auch wieder auf falsche oder fragwürdige Könige bzw. Machthaber, Politiker und verführerische Menschen und Ideologien. So sind wir. Wir laufen eher denen nach, die große Träume entstehen lassen und genau zu wissen meinen, wie sie schnell erfüllt werden können. Manche sympathisieren mit den Rechtsradikalen, die das gut können. Doch Könige und Machthaber solcher Prägung gab es auch schon einmal. Sie stürzten Millionen Menschen ins Unglück und Verderben. Statt Frieden, Glück und Wohlstand kam durch sie der Tod und bitteres Leid über die Menschen.

Sacharja: Der uns Menschen Hilfe und Recht verschafft, der Frieden und Heil bringt ist Gott. Er ist im Kommen. Wir Christen sagen: In Christus ist dieser Gott des Heils gekommen. Er kam nicht unter Fanfarenklängen und Machtgetöse, sondern machtlos und als Bettelkönig. Sein Weg endete am Kreuz. Das aber war nicht das Ende, sondern durch seine Auferstehung der Sieg. Er, Gott in ihm, ist der, der das Leben bringt, nach dem wir uns alle sehnen, der nach uns schaut und bei uns bleiben will. Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende, versprach er seinen Jüngern.
Er kennt uns. Wir sind ja sogar auf seinen Namen getauft. Er weiß, wo wir wohnen. Er will uns besuchen, will in unser Leben kommen und will bei uns bleiben. Doch die Frage ist: Wollen wir ihn denn? Sind wir auf seinen Besuch eingerichtet? Haben wir uns also vorbereitet?
Worauf bereiten wir uns in diesen Tagen eigentlich vor? Viele schimpfen wegen der Corona-Einschränkungen gerade jetzt in der Advents- und Weihnachtszeit und lassen ihrer Wut auf Politiker oder auch Impfunwillige ungezügelten Lauf. Ihre Weihnachtsstimmung würde ihnen gründlich verhagelt. „Weihnachten dahin!“, so hören wir es.
Worauf bereiten wir uns in diesen Tagen vor? Sind wir auf die Ankunft des Christus eingerichtet? Auf den einzigen, der die ursprüngliche Gemeinschaft mit Gott wieder herstellt? Denn er allein bringt ungebrochenes Leben, also Heil. Bereiten wir uns also auf ihn vor, der uns und unser Leben mit all seinen Ecken, Kanten und Problemen heil machen will?

Freue dich und sei fröhlich, du Tochter Zion! Denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen, spricht der HERR. Drum, wenn du willst, dass er auch in dein Leben kommen und dir helfen und dich heil machen soll, so mache dich zum Empfang bereit. Bereite dich vor, freue dich, dass er auch zu dir kommt. Jubele und stimme in die Freudengesänge mit ein.