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In der diesjährigen April-Ausgabe der Zeitschrift „chrismon“ wird eine Umfrage des Kantar EMNID-Institutes mit der Fragestellung „Was kommt nach dem Tod?“ veröffentlicht. Das Fazit: „Eine Mehrheit glaubt, es geht weiter – irgendwie.“ Interessant ist allerdings, welche Vorstellungen es darüber gibt. 9 % der 1008 Befragten meint, der Mensch stirbt und wird zum Gottesgericht von den Toten wieder zum neuen Leben auferweckt. 2 % ist der Überzeugung, der Tod ist ein Schlaf, aus dem der Mensch am Jüngsten Tag erwacht. In den Antworten der übrigen 89 % sind überhaupt keine Bezüge zum christlichen Glauben erkennbar.

Warum greife ich diese Umfrage auf? Nun, in diesem Monat feiern wir wieder Ostern. Wieso es dieses Fest überhaupt gibt und es noch heute gefeiert wird, das weiß nur noch eine Minderheit der Bevölkerung. Für die Mehrheit ist es ein Frühlingsfest. Die Natur erwacht nach den Monaten der Kälte, Ungemütlichkeit und Dunkelheit in den wärmenden Sonnenstrahlen und zeigt sich in zunehmender Pracht. Das tut uns natürlich allen gut. Und das sollte doch nach Meinung vieler auch gefeiert werden, am besten zu Ostern, weil das mitten im Frühling liegt.
Doch Ostern hat mit Frühling nichts zu tun. Mit Ostern gab es eine Zeitenwende für die Menschheit. Das ist das bleibend Neue und etwas fundamental anderes als die Zeitenwende, von der man heute in den politischen Kreisen in Europa nach dem Einmarsch der russischen Truppen in die Ukraine spricht.

Von jener Zeitenwende kündet nach der Ostererzählung des Evangelisten Johannes zuallererst Maria Magdalena, ein Jüngerin Jesu. Der Evangelist berichtet – und dies ist der Spruch für diesen Monat: Maria Magdalena geht und verkündigt den Jüngern: „Ich habe den Herrn gesehen“ und was er zu ihr gesagt habe. Doch was war denn da vorher passiert, was Maria dann weitersagte?

Johannes erzählt uns: Am dritten Tag nach der Kreuzigung Jesu geht Maria Magdalena frühmorgens zur Grabeshöhle, in der Jesu Leichnam nach seinem Tod abgelegt wurde. Der Rollstein, der den Eingang verschloss, war jedoch weggewälzt. Aufgeregt lief sie zu Petrus und Johannes, den Lieblingsjünger Jesu, und sagte ihnen das. Beide liefen wie in einem Wettlauf zum Grab und sahen sich auch im Grab um. Aber Jesu Leichnam war weg. So gingen sie wieder. Maria aber fasste sich danach ein Herz und schaute auch ins Grab. Zunächst sah sie zwei Engel darin, erkennbar an ihren leuchtend-weißen Gewändern. Ihnen sagte sie in ihrer Trauer, dass sie nicht weiß, wohin Jesus, ihr Herr, hingelegt wurde. Als sie sich umdrehte, sieht sie einen Mann stehen. Der fragte sie, warum sie weint. Sie, in der Annahme, dass der Gärtner vor ihr steht, fragte wohin er Jesus gelegt hat. Er aber sprach sie mit ihrem Namen „Maria“ an. Da erkannte sie, dass es nicht der Gärtner war, sondern Jesus, ihr Herr und Meister. Er bat sie, ihn nicht zu berühren und sprach zu ihr, dass er zum Vater in den Himmel hinaufsteigen wird. Und er gab ihr den Auftrag, den übrigen Jüngern – er nannte sie Brüder – von der Begegnung mit ihm zu berichten. Die Erzählung endet mit dem Monatsspruch: Maria Magdalena geht und verkündigt den Jüngern: „Ich habe den Herrn gesehen“ und was er zu ihr gesagt habe. Maria Magdalena ist die Erstzeugin eines Geschehens, das dem Menschen unbegreiflich ist.

„Der Herr ist auferstanden!“ So fassen die Evangelisten das Geschehen zusammen, bringen es auf den Punkt. Jesus ist nicht im Tode geblieben. Er lebt! Zeitenwende für die Menschheit. Der Tod hat, wie wir zu sagen pflegen, nicht das letzte Wort. Zeitenwende. Denn in ihm begegnet uns Gott begegnen, will auch uns vom Tod befreien und zum ewigen Leben führen.

Osterberichte sind Berichte von einer Zeitenwende unvorstellbaren Ausmaßes. Nichts muss mehr so bleiben, wie es ist. So geschieht es auch allen, denen Jesus Christus, der Auferstandene, heute im Leben begegnet, beim Namen ruft und anspricht: bei der Taufe, beim Hören des Evangeliums, im Abendmahl. Er spricht uns an. Denn er will Gemeinschaft mit uns haben, um uns Anteil zu geben am ewigen Leben, das er als Erster unter uns nun hat. Er will, dass wir nicht hoffnungslos dieser Welt und ihren gottlosen Mächten ausgeliefert sind, sondern Zukunft haben bei Gott, unserm Vater, heilvolle Zukunft.
Maria hatte schlagartig erkannt: Er ist nicht einfach nur wieder da. Und es geht nun nicht einfach irgendwie wieder weiter. Sondern, da er in den „Raum“ Gottes gehört, geht es mit ihm nun anders weiter. Was er über das Reich Gottes verkündet hatte, wird bei ihm und mit ihm wahr und sprengt alle Grenzen dieser vergänglichen Welt.
So bekam Maria als Erste den Auftrag, Jesu Auferstehung zu verkünden und so seine Botschaft weiterzutragen und zum Glauben an den Auferstandenen einzuladen. Geh aber hin zu meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott. Das ist Jesu Auftrag an sie. Und sie geht und verkündigt den Jüngern: „Ich habe den Herrn gesehen“ und berichtet, was er ihr gesagt hatte.

Jeder soll nun wissen, was wir mit ihm haben: himmlische Gaben – oder wie wir nach EG 398,2 singen: „Wenn wir dich haben, kann uns nicht schaden Teufel, Welt, Sünd oder Tod; du hast’s in Händen, kannst alles wenden, wie nur heißen mag die Not. Drum wir dich ehren, dein Lob vermehren mit hellem Schalle, freuen uns alle zu dieser Stunde. Halleluja. Wir jubilieren und triumphieren, lieben und loben dein Macht dort droben mit Herz und Munde. Halleluja.“
Zeitenwende ja, aber eine ganz andere: Wende von der Heillosigkeit, Vergänglichkeit und Nichtigkeit zu Gottes ewigem Reich und Gütern. Die Tore zu diesem Reich hat Jesus, der Auferstandene geöffnet, führt und begleitet uns hindurch.
Maria Magdalena war die Erste, die mit der Verkündigung der Worte Jesu auch die Zeitenwende für unsere Welt heute verkündet hat. Und dies geschieht bis heute durch alle, die an ihn, den Auferstandenen und im Geist Gegenwärtigen glauben. Jedem von uns ist aufgetragen: Geh hin und verkündige die frohe Botschaft des Auferstandenen.