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Ich wünsche dir in jeder Hinsicht Wohlergehen und Gesundheit, so wie es deiner Seele wohlergeht.

Etwas ganz Alltägliches, so meinen wir, was dieser Schreiber des 3. Johannesbriefes dem Empfänger Gaius wünscht: Wohlergehen und Gesundheit. Wir tun das ja heute ebenso. Wir schreiben einem Bekannten, Freund oder Verwandten einen Brief und beschließen ihn meist mit solchen guten Wünschen. Oder wir wünschen es uns, wenn wir uns sehen, miteinander telefonieren oder jemandem einen Besuch abstatten. „Bleib´ gesund und lass es dir gut gehen.“ So oder so ähnlich verabschieden wir uns auch von ihnen.
Gesundheit und Wohlergehen wünschen wir uns dann, wenn wir einander zugetan sind und nicht wollen, dass der oder die andere krank wird oder es ihr oder ihm in irgendeiner Weise schlecht geht im Leben. Jemandem Wohlergehen, Gesundheit, Glück zu wünschen, das ist deshalb eben keine Allerweltsfloskel, sondern zeugt von einem Wohlwollen zum anderen und von guten Beziehungen, die diejenigen zueinander haben.

Sehr gute Beziehungen hatten auch der Briefschreiber – es ist wohl der Presbyter Johannes – und Gaius. Johannes redete ihn im Vers 1 sogar mit „mein Lieber, …, den ich wahrhaftig liebe“ an. Er war kein Amtsträger in den Gemeinden, wie es sonst üblich war, sondern trug diese Bezeichnung als Ehrenname, da er Träger und Überlieferer der apostolischen Tradition in den Gemeinden im Raum Ephesus war. Auch gehörte er wahrscheinlich zu dem Kreis derer, die an der Endfassung des Johannesevangeliums mitwirkten. Er genoss deshalb in diesen Gemeinden hohes Ansehen und galt schlechthin als eine herausragende und allseits geschätzte Autorität. Er hatte aber Ärger mit einem dortigen Gemeindeleiter, dem Diotrephes. Denn Diotrephes vertrat in dieser Gemeinde einen Irrglauben, ordnete die Abweisung der vom Presbyter gesandten Boten an, weil er keine kirchliche Autorität neben sich duldete, selbst nicht die des Presbyters.

Von Gaius wissen wir kaum etwas. Er gehörte als einfaches Gemeindeglied zu einer solchen Gemeinde. Doch, wie wir einige Zeilen nach dem Monatsspruch erfahren, ließ Gaius sich von Diotrephes´ Handeln nicht beirren. Der Presbyter lobte ihn dafür und bestärkte ihn in seiner Standhaftigkeit und im Festhalten am rechten Glauben.

Nun wird uns auch klar, worin die Verbundenheit zwischen den beiden besteht und den Presbyter veranlasst, dem Gaius Wohlergehen und Gesundheit zu wünschen. Es ist der unerschütterliche Glaube an Jesus Christus trotz aller Anfechtungen durch solche, die etwas anderes lehren und ihren christlichen Glauben dementsprechend auch anders leben. Die beiden sind sich einander zugetan im rechten Glauben und in brüderlicher Liebe.

Das ist ein starkes Band, das sie miteinander verbindet, stärker als nur Sympathie füreinander oder auch Freundschaftsbande und Liebesbeziehungen zwischen Menschen. Es ist, um einen Satz aus dem 2. Timotheusbrief aufzunehmen, der Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit, den Gott gibt (2. Tim 1,7), also letztlich Gott selbst. Er „knüpft“ und erhält dieses Band zwischen denen, die an ihn glauben. Deshalb ist es so stark wie sonst kein anderes Band zwischen uns Menschen. Dass sich dann Menschen, die in ihrem Glauben einander so zugetan sind und ihn so standhaft leben wie der Presbyter und Gaius, aus ganzem Herzen nur Gutes wünschen, ist uns völlig verständlich.

Der Presbyter geht aber noch weiter. Er wünscht dem Gaius nicht nur in allen Stücken Wohlergehen und Gesundheit, sondern unterstreicht die Stärke seines Wunsches mit so wie es deiner Seele wohlergeht. Was meint Johannes damit? Unter „Seele“ ist hier der Sitz und die Trägerin überirdischen Lebens zu verstehen. Johannes wünscht dem Gaius, dass es seiner Seele wohlgehen möge. Mit anderen Worten: Er wünscht ihm, dass er den Anfechtungen im Glauben, die durch das Agieren des Diotrephes ausgelöst werden können, nicht erliegt. Dass er also standhaft bleibt in der Wahrheit (V.3), was heißt: standhaft im Glauben an Jesus Christus, in dem sich Gott mit der Zusage ewigen Lebens selbst mitteilt. Und dass er stark bleibt in der Liebe, die nach Gottes Willen niemanden ausschließt (V. 6f.). Johannes wünscht ihm, so kann man dann auch sagen, dass er überirdisches Leben nicht verlieren möge.

Das ist eine andere Art der Heilsanwünschung, der salutatio. Wir kennen sie vor allem aus unseren Gottesdiensten in der Formulierung „Der Herr sei mit euch“. Sie ist biblischen Ursprungs. Johannes wünscht Gaius das Heil auf eine andere, sehr persönliche Weise.

In diesem Zusammenhang denke ich an die Besuche, die wir hoffentlich noch bei unseren Gemeindegliedern machen (können), ob als Pfarrer bzw. Pfarrerin oder Gemeindeglieder im Rahmen von Besuchsdiensten. Alte, Schwache, Kranke, Einsame, sie warten auf uns. Sie und noch so manch andere brauchen uns, brauchen unseren Rat, unsere Meinung, unsere Wertschätzung, brauchen Stärkung im Glauben. Ob wir dem allen immer gerecht werden? Ich bezweifle es. Gesundheit und Wohlergehen, das wünschen wir sicherlich einem jeden, den wir besuchen oder mit dem wir telefonieren oder dem wir schreiben. Und die Menschen sind dankbar und freuen sich, wenn wir ihnen solche Segensgaben wünschen. Doch sie im Glauben stärken und ihnen tatsächlich Heil wünschen, das geht meist nur in seelsorgerlichen Gesprächen oder auch in Gottesdiensten über die Lippen. Und nicht alle halten etwas davon. Aber nötig haben es alle, und zwar im Leben generell – und wir ebenso. Doch Wohlergehen und Gesundheit vergehen in dieser Welt. Das Heil aber, das ewige Leben, das uns Gott schenkt, bleibt. Doch es ist gefährdet, wenn wir Christus verlieren - ob durch Anfechtungen im Glauben, beispielsweise bei Krankheit oder Kummer und Leid, oder wenn wir ihn im Getriebe des Alltags aus dem Auge verlieren. Gut, wenn wir dann Brüder und Schwestern in Christus haben, die uns wie Johannes wünschen: Ich wünsche dir in jeder Hinsicht Wohlergehen und Gesundheit, so wie es deiner Seele wohlergeht. Oder mit Worten des Konfirmationssegens: „Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist gebe dir seine Gnade: Schutz und Schirm vor allem Bösen, Stärke und Hilfe zu allem Guten, dass du bewahrt wirst zum ewigen Leben. Friede sei mit dir.“ Oder modernder: „Ich wünsche dir allezeit alles Gute und gute Gesundheit sowie, dass du im Glauben an Jesus Christus und in seiner Liebe bleibst alle Tage deines Lebens.“