Über dem Hauptportal des Schlosses Friedenstein in Gotha befindet sich die sogenannte „Friedenskuss“-Reliefkartusche mit dem darin umlaufenden Spruch „Friede ernähret, Unfriede zerstöret“. Herzog Ernst I. (Ernst der Fromme) hatte das Schloss 1643 bis 1654, also noch in den letzten Jahren des Dreißigjährigen Krieges beginnend, auf den Ruinen der Burg Grimmenstein erbauen und die Kartusche anbringen lassen. Sie soll zum Frieden mahnen.

Friede ernähret, Unfriede zerstöret. Dass dieser Spruch wahr ist, wissen wir aus der Menschheitsgeschichte und führt uns fast täglich vor allem das Fernsehen mit den Berichten über die fürchterlichen und zerstörerischen Kriege überall in der Welt auch heute noch vor Augen. Sie verursachen unsägliches Leid. Doch Krieg gibt es nicht nur in Form von militärischen Auseinandersetzungen. Mir fallen auch andere Kriege ein: Ehekrieg, Krieg zwischen den Generationen, Wirtschaftskrieg, Handelskrieg, Kriege am Arbeitsplatz, Führungskrieg, Psychokrieg, Zickenkrieg usw. Auch in solchen Kriegen wird ein auskömmliches Leben miteinander, wird das Wohl der Menschen, der „Kriegsparteien“ und werden Beziehungen zerstört und Leid zugefügt. Da ist nichts mehr so, wie es einmal zu glücklichen Zeiten war. Wir kennen das alle und erfahren es immer wieder - oft schmerzlich. Wir reden vom Frieden und wollen ihn auch. Doch wenn Eigeninteressen berührt und verfolgt werden, tritt der Frieden vielmals in den Hintergrund, wird verdrängt, verflüchtigt sich. Unfrieden zieht ein. Er wird billigend in Kauf genommen. Das ist im Kleinen so wie im Großen. Es stimmt eben auch: Fried‘ zuerst für mich, Unfried‘ entwickelt sich. In der Weltpolitik erleben wir das gegenwärtig mit großer Sorge.

„Durst ist schlimmer als Heimweh.“ Was da so flapsig daher gesagt wird, nimmt eine Grunderfahrung des Menschen auf: Wenn es an Wasser zum Trinken mangelt, so kann das so schlimm werden, dass letztlich das Leben auf dem Spiel steht. Das gilt nicht nur in Bezug auf das Essen und Trinken, sondern auch generell, wenn wichtige Dinge, die zum Leben benötigt werden, fehlen. Gute, feste Beziehungen zum Beispiel. Fehlen sie, dann sind Menschen allein, ohne Familie, ohne Partner, ohne Freunde. Mancher geht daran zu Grunde. Aber auch, wenn sich die Sinnfrage stellt, dann beispielsweise, wenn alles bisher Verlässliche wegbricht – die Arbeit, das Dach über dem Kopf, die Gesundheit und das einigermaßen gesicherte Auskommen. Oder wo die Hoffnung zerbricht auf das Ende der kleinen und großen Kriege und dem Säbelgerassel in der Welt, auf gerechte Lebensverhältnisse, wirksame Bekämpfung der Armut und Bewahrung der Schöpfung. Es gibt unzählige Menschen in unserer Welt, die nach einem Leben dürsten, in dem sie nicht mehr Mangel, welchen auch immer, leiden müssen. Selbst in unserem von Wohlstand geprägten Land gibt es sie. Jeder von uns hat Menschen vor Augen, denen es äußerlich an nichts mangelt, die aber unstet durchs Leben hasten auf der Suche nach dem Sinn und Ziel ihres Lebens, nach Harmonie, nach Schönem und Gutem und nach dem, was im Fluss des Lebens Beständiges und Bleibendes ist, nach dem sich jeder Mensch sehnt.

Was wird das Jahr 2016 uns bringen? Gutes oder Schlechtes? Freudiges oder Schmerzliches? Wir wissen es nicht. Sicherlich ist von beiden etwas dabei. Aber wir hoffen, dass uns Schmerzliches, Not- und Leidvolles erspart bleiben möge. Woran aber können wir uns festhalten, wenn es doch anders kommen wird? Die Losung für das Jahr 2016 kann dazu tatsächlich zu einer Losung, also zu einem Wahlspruch, zu einem Motto werden, das als Richtschnur dient: Gott spricht: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet. (Jes 66,13)

... wie einen seine Mutter tröstet, spricht der Prophet. Ja, wie tröstet denn eine Mutter? Wir erinnern uns, wie das war, als uns unsere Mutter tröstete. Was tat da besonders gut und half gegen den Schmerz von Wunden und im Herzen? Mütter können gut trösten, aber auch Väter, Omas und Opas und auch andere. Doch zumeist haben wir Frauen und Mütter vor Augen, wenn es um das Trösten geht.

Im Jahr 2017 soll uns als Losung das Wort des Propheten Ezechiel begleiten: Gott spricht: Ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben. (Ez 36,26).
Kaum jemand unter uns wünscht sich nicht, dass unter uns ein neuer Geist herrsche und die Menschen liebevoller miteinander umgehen. Viele klagen: „Die Welt ist aus den Fugen geraten.“ Sie haben Angst, weil so viel Schreckliches und Bedrohliches passiert in unserem Land und in der ganzen Welt. Die Zeiten des relativ friedlichen Zuammenlebens nach der Auflösung der Ost-Westblöcke und ihrer politischen Regime sind Geschichte. Der Frieden ist in weiten Teilen der Welt bedroht. Und in unserem Land wie in vielen anderen gehen Risse durch die Gesellschaft. Viele sind unzufrieden mit Entscheidungen der Politik und Wirtschaft, fühlen sich benachteiligt und in ihrem täglichen Leben mit all den Schwierigkeiten oft nicht mehr wahrgenommen und zudem nun nach den Terroranschlägen und anderen Übergriffen nicht mehr sicher. Hass und Hetze, bewusste Falschmeldungen und Verletzung der persönlichen Würde über das Internet, dies und vieles andere drohen das Klima im Land zu vergiften.