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„Durst ist schlimmer als Heimweh.“ Was da so flapsig daher gesagt wird, nimmt eine Grunderfahrung des Menschen auf: Wenn es an Wasser zum Trinken mangelt, so kann das so schlimm werden, dass letztlich das Leben auf dem Spiel steht. Das gilt nicht nur in Bezug auf das Essen und Trinken, sondern auch generell, wenn wichtige Dinge, die zum Leben benötigt werden, fehlen. Gute, feste Beziehungen zum Beispiel. Fehlen sie, dann sind Menschen allein, ohne Familie, ohne Partner, ohne Freunde. Mancher geht daran zu Grunde. Aber auch, wenn sich die Sinnfrage stellt, dann beispielsweise, wenn alles bisher Verlässliche wegbricht – die Arbeit, das Dach über dem Kopf, die Gesundheit und das einigermaßen gesicherte Auskommen. Oder wo die Hoffnung zerbricht auf das Ende der kleinen und großen Kriege und dem Säbelgerassel in der Welt, auf gerechte Lebensverhältnisse, wirksame Bekämpfung der Armut und Bewahrung der Schöpfung. Es gibt unzählige Menschen in unserer Welt, die nach einem Leben dürsten, in dem sie nicht mehr Mangel, welchen auch immer, leiden müssen. Selbst in unserem von Wohlstand geprägten Land gibt es sie. Jeder von uns hat Menschen vor Augen, denen es äußerlich an nichts mangelt, die aber unstet durchs Leben hasten auf der Suche nach dem Sinn und Ziel ihres Lebens, nach Harmonie, nach Schönem und Gutem und nach dem, was im Fluss des Lebens Beständiges und Bleibendes ist, nach dem sich jeder Mensch sehnt.

Jeder von uns ist, solange er auf dieser Welt lebt, auf der Suche nach einer Quelle, die unseren Durst wirklich zu stillen vermag. Den Durst auf ein gelingendes Leben, auf die beständige, unerschütterliche Erfahrung von Liebe und Geborgenheit durch andere Menschen um uns herum. Und den Durst darauf, dass trotz Versagen und Schuld, Krankheit und Tod das eigene Leben nicht verloren ist, sondern in der Weise vollendet wird, dass nichts mehr offenbleibt und alle Übel dieser Welt und des eigenen Lebens von ihm genommen sind.

Von einer solchen Quelle berichtet in der Bibel der Seher Johannes. Gott hatte ihn gebeten, folgendes aufzuschreiben, damit es jeder lesen und vernehmen kann: Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst. (Offb 21,6) Wenige Sätze davor, aber auch sonst erfahren wir davon, dass es Gottes Ziel ist, dass wir Menschen in seinem Reich, das ewig ist, zu solchem Leben gelangen – umsonst, unentgeltlich, ohne Zutun von uns. Diese Quelle ist uns Menschen durch Jesus Christus erschlossen und nun zugänglich. Ja, er selbst sprach über sich: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten. (Joh 6,35). Das heißt: Im Glauben an ihn beginnt bereits heute schon das Löschen unseres Durstes nach solch erfülltem, vollendetem und beständigem Leben.

Natürlich gibt es auch kleine, irdische Quellen, die uns gut tun und erfrischen: gutes Essen, die Musik, die Kunst, Freundschaften, Sport und Freizeitbeschäftigungen und so manch anderes. Sie gehören zu Gottes Urquelle, die nie versiegt. Und wer an Jesus Christus glaubt, der ist an diese Urquelle angeschlossen. Dem wird sein Durst auf lebendiges Wasser gelöscht – von Gott, ohne eigenes Zutun. Gott hält dies alles für die an Christus Glaubenden bereit. Das ist so wahr wie das Amen in der Kirche, könnte man sagen. Jesus selbst hat das in Gleichnissen verkündet und in seinen Taten zeichenhaft vor Augen geführt. Mit ihm, dem personifizierten Reich Gottes, kommt unsere Seele ans Ziel, wo schließlich alles, alles gut sein wird.

Im Glauben an Jesus Christus gibt uns Gott lebendiges Wasser bereits in unserem irdischen Leben mit all seinen Nöten und Lasten, seinen Ängsten und Sorgen, damit wir durchhalten im Leben und im Glauben. Es soll uns stärken und erquicken auf den Durststrecken, die wir doch oft auch gehen und erleiden müssen. Und es soll uns unser Vertrauen auf Jesus Christus stärken, der uns sicher durchs Leben und durch den Tod hindurch geleiten will bis zu unserem Ziel in Gottes ewigen Reich der Liebe. Bei Jesus bleiben – das ist das Entscheidende. Und das heißt z.B.: Sein Wort hören in Gottesdiensten, Hauskreisen, Bibelgesprächskreisen usw., sein Abendmahl miteinander feiern, durch das Gebet mit ihm im Gespräch sein, Gemeinschaft mit anderen Christen suchen und erleben.
Bei Jesus bleiben, also zu Gottes Quelle lebendigen Wassers Zugang zu haben, das führt auch dazu, dass unsere Liebe für unsere Mitmenschen genährt und gestärkt wird und wir uns mit den Gaben, die wir von Gott empfangen haben, dafür einsetzen. Und zwar für ein friedliches Zusammenleben, für Gerechtigkeit und das Wohl in unseren Familien, Gemeinden, Freundeskreisen und an unseren Arbeitsplätzen und in der Gesellschaft. So können Hass, Menschenfeindlichkeit und Egoismus dann nicht mehr gedeihen.

Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst. Mit dieser Zusage Gottes können wir getrost und freudig ins Jahr 2018 gehen. Denn aus seiner Quelle können wir Kraft und Mut schöpfen und die Gewissheit dazu, dass wir nicht vergebens auf dieser Welt sind, sondern bei Gott alles gut wird, was auch kommen mag.